Umweltbildung
Bildungsperspektiven und berufliche Chancen für benachteiligte Jugendliche
Kennenlernen gärtnerischer und gartenaffiner Berufe im Rahmen praxisbezogener Seminare und Workshops in historischen und bedeutenden zeitgenössischen Garten- und Parkanlagen regionaler Garteninitiativen
"Erzähle mir und ich vergesse, zeige mir und ich erinnere, lass es mich tun und ich verstehe" (Motto der Freien Schule Boxberg)
1. Gegenstand und Zielsetzung des Projekts
Es grünt und blüht in Deutschland. Im Gartennetz Deutschland e.V. (www.gartennetz-deutschland.de) haben sich derzeit 19 Garteninitiativen in 14 Bundesländern mit über 1.000 Garten- und Parkeigentümer zusammengeschlossen. Sie wollen ihre Gärten mit hoher Qualität erhalten und sichern, sich vernetzen, lokal vom Wissenstransfer profitieren und durch kooperatives Handeln nachhaltige Impulse setzen. Besucher lassen sich zunehmen begeistern, gut gepflegte Anlagen zu besuchen. Der Gartentourismus in Europa trägt schon jetzt mit einem nicht unerheblichen Anteil an der Stärkung der wirtschaftlichen Situation in den Regionen bei. Internationale Besucher fordern die internationale Zusammenarbeit und fördern soziale Kompetenzen.
Eine Vielzahl von beruflichen Angeboten ranken sich um die Gärten - Gärtner und Gartenhelfer, Gartenführer und Parkmanager, ebenso Designer und Grafiker, IT-Technologen, Gartenhistoriker wie auch Koch und kellner mit dem besonderen Anspruch des "Gesunden Grünen Tellers" für Gäste und Bewohner. Insbesondere Garteninitiativen mit Garten- und Parkanlagen in ländlichen Regionen sind immer mehr drauf angewiesen, auf gut ausgebildete Fachkräfte (im niedrigen, mittel und hohen Lohnbereich) aus eben diesen Themenbereichen zurückgreifen zu können.
Begriffe wie Nachhaltigkeit und naturgemäße Pflege und Bewirtschaftung von Parks und Gärten sind für Schülerinnen aus sozial benachteiligten Strukturen eher fremd. Den häufig lernschwachen Jugendlichen fehlt meist der Bezug zu solchen Themen.
An historischen und bedeutenden zeitgenössischen Garten- und Parkanlagen, wie sie in den regionalen Garteninitiativen u.a. im Gartennetz Deutschland verankert sind, lassen sich die Veränderungen von Landschaft, Natur und Kultur über die Jahrhunderte und der damit einhergehende Pflegebedarf zur langfristigen Sicherung und Erhaltung der Anlagen anschaulich vermitteln. Zugleich wird auch das ökologische Bewusstsein geschult.
Gemäß dem Motto der Freien Schule Boxberg (Region Oberlausitz, Sachsen) " Erzähle mir und ich vergesse, zeige mir und ich erinnere, lass es mich tun und ich verstehe" sollen Schülerinnen in der Berufsfindungsphase im Alter von 14 bis 18 Jahren im Bildungsprojekt garden sniffers für umweltschonende, nachhaltige Pflege- und Bewirtschaftungsweisen im Bereich Gärten und Parks interessiert und an die damit verbundenen "grünen" Berufe herangeführt werden.
Nach einem ersten "Hinein schnuppern" (to sniffer) in Theorie und Praxis (Modellseminar) werden den Jugendlichen durch berufserfahrene Profis aus der Region - Gärtner, Baumpfleger, Biologen, Botaniker, etc. - in dreimal im Jahr stattfinden 2-tägigen Praxis-Workshops Arbeitsweisen und - Methoden spannend und experimentell vermittelt.
Die Jugendlichen sind aktiv gefordert, die berufsspezifischen Materialien und Werkzeuge im gerechten Schneiden von Bäumen und Hecken, dem Pflanzen von Stauden, der Pflege von Gehölz- und Wiesenflächen, aber auch bei der Anlage von Nisthilfen und Winterquartieren für Vögel und Fledermäuse oder der Vorbereitung des "Grünen Tellers", auszuprobieren und anzuwenden. Das Erlernte wird in Gesprächs- und Diskussionsrunden mit allen Teilnehmern vertieft, ausgewertet und evaluiert. Die Arbeitsergebnisse werden zum Abschluss eines jeden Workshops besichtigt und bewertet.
Ziel: den Schülerinnen sollen die biologischen und umweltrelevanten Prozesse in historischen und bedeutenden zeitgenössischen Garten- und Parkanlagen vermittelt werden und Ausbildungsmöglichkeiten in gärtnerischen und gartenaffinen "Pflege"-Berufen in Theorie und Praxis kennenlernen und dadurch im Hinblick auf ihre schulischen, sozialen und beruflichen Perspektiven und Chancen gefördert und unterstützt werden. Angesprochen werden sollen insbesondere benachteiligte Jugendliche, z.B. Hauptschüler und/oder Schülerinnen aus strukturschwachen Räumen.
Beim gemeinsamen Lernen und Arbeiten mit jungen und älteren Experten und im europäischen Kontext wird ein Regionen und Länder übergreifender Bildungs-, Kultur- und Schüleraustausch gefördert.
Frauen aus den Berufsbereichen Gärten, Wein- und Obstbau, Gastronomie, Gesundheit, Kräuterkunde, Grafik/ Design etc., sollen zum Wiedereinstieg in das Berufsleben als "Workshopleiterinnen/ Kulturmanagerinnen" in die Workshops eingebunden und geschult werden. Außerdem sollen gärtnerische Betriebe, Gastronomie, Hotels und Kreativ-Werkstätten aufmerksam gemacht und eingebunden werden, Angebote für interessante Praktikums- und Ausbildungsplätze zu schaffen.
2. Innovativer Charakter
Das Projekt garden sniffers besitzt modellhaften Charakter im Bereich von Umweltbildungsmaßnahmen für Jugendliche, da es:
- bundesweit in verschiedenen Bundesländern durchgeführt werden soll (Schulen aus den Regionen der Garteninitiativen im Bundesverband Gartennetz Deutschland e.V. und den ausländischen Partnerregionen,
- insbesondere Schülerinnen von Haupt-, Mittel- und Realschulen aus strukturschwachen Regionen anspricht die sowohl hinsichtlich ihrer schulischen als auch beruflichen Perspektive benachteiligt sind, und die Jugendlichen in der Berufsfindungsphase im Alter zwischen 14 und 18 für den "grünen" Arbeitsmakrt motiviert und fit macht
3. Projektleitung
Gartennetz Deutschland e.V., bundesverband regionaler Garteninitiativen
Ansprechpartner: Annemarie Harzbecher
4. Art und Umfang der Durchführung
Das im Herbst 2009 (Phase 1) im IBZ St. Marienthal gestartete Projekt garden sniffers mit Schülerinnen der Freien Schulen Rietschen und Boxberg aus der Oberlausitz und der Mittelschule Myslakowice (Zillerthal-Erdmannsdorf) aus Polen, soll nun ab Frühsommer 2010 (phase 2) mit den Praxis-Workshops fortgeführt werden. Dabei werden sowohl die gleichen Schülerinnen der Schulen aus Phase 1 am Standort Klosteranlage St. Marienthal als auch andere Schülerinnen dieser Schulen am Standort Schlosspark Neschwitz in Sachsen in die Workshops eingebunden.
In Phase 3 (Herbst 2010 bis Herbst 2011) und Phase 4 (Herbst 2011 bis Herbst 2012) soll das projekt garden sniffers in andere Regionen weiter getragen und mit Schulen aus den Gebieten der Garteninitiativen im Gartennetz Deutschland e.V. und den EU-partnerregionen bestritten werden. Darüber hinaus soll nach Abschluss der Praxis-Workshops das Bildungsprojekt durch die Garteninitiativen/EU-Kooperationspartner in Eigenregie fortgeführt werden und sich somit nachhaltig in den Regionen verstetigen.
Der Schlosspark Dennenlohe beteiligt sich bei den Vorbereitungs-Workshops Phase 3 im Oktober 2011.
Weitere Informationenen erhalten Sie in der Schloss- und Gartenverwaltung Dennenlohe unter 09836-96888 oder per Mail an info@dennenlohe.de.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Schloss- und Gartenverwaltung Dennenlohe




